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7 Punkte die Sie schon immer über Chiptuning wissen wollten

Zusatzsteuergerät oder klassisches Chiptuning - was ist besser?

Bei einem klassischen Chiptuning wird die original Steuergerätesoftware ausgelesen, modifiziert und anschließend wieder eingespielt.  Bei einigen Fahrzeugen ist dies über die OBD-Schnittstelle (On-Board-Diagnose) möglich, bei anderen muss zumindest das Steuergerät ausgebaut werden, um direkt auf den Chip zugreifen zu können. Häufig ist es auch erforderlich den Chip (Speicherbaustein in dem die Steuerungssoftware gespeichert wird) auszulöten und einen geänderten Chip wieder einzulöten.

Bei einem Zusatzsteuergerät handelt es sich um eine Elektronik, die in einer externen Box, mittels Verbindungskabel zusätzlich montiert wird.

Die Zusatzsteuergeräte-Lösung hat gegenüber dem direkten Chiptuning den Vorteil, dass der Einbau in der Regel sehr einfach ist und so auch die Rückrüstung in den Serienzustand jederzeit problemlos möglich ist.

Auf dem Markt der Zusatzsteuergeräte gibt es allerdings erhebliche technische- und qualitative Unterschiede. Da werden mit viel „Tamtam“ Geräte angeboten, die lediglich völlig undifferenziert die Einspritzmenge erhöhen. Diese Methode hat zwar eine spürbare Mehrleistung zur Folge, allerdings auch eine hohe Belastung für den Motor und andere Komponenten. Neben der erhöhten Zylinderkopftemperatur ist bei dieser Methode auch der erhöhte Russausstoß als Problem zu nennen. Bei Fahrzeugen mit Partikelfilter sind dann die Probleme vorprogrammiert.

Enttarnen lassen sich diese Geräte z.B. an der Aussage, dass dieselbe Elektronik bei vielen unterschiedlichen Fahrzeugtypen eingesetzt werden kann oder die Leistung durch das Drehen an Einstellschrauben selber eingestellt werden kann/muss.        

Technisch anspruchsvolle Multikanal-Geräte hingegen stehen der direkten Steuergeräteanpassung nicht nach. Wichtig ist, dass alle relevanten Parameter, wie z.B. die zur Verfügung stehende Luftmenge, der Drehzahlbereich und der Turboladedruck von der Elektronik berücksichtigt werden. Zusätzliche Funktionen wie z.B. die Beachtung fahrzeugspezifischer Unterschiede (Serientoleranzen) durch eine automatische Kalibrierung und Berücksichtigung der Motor-Betriebstemperatur (Kaltlauftimer) zeichnen hochwertige Systeme aus.

Unser Tipp:
Wenn Sie ein Fahrzeug mit Höchstgeschwindigkeitsbegrenzung fahren und an der Aufhebung dieser Vmax-Begrenzung interessiert sind, kommt nur ein klassisches Chiptuning für Sie in Frage. In allen anderen Fällen sind Sie mit einer Zusatzsteuergeräte-Lösung flexibler. Achten Sie aber unbedingt auf die Qualität und Funktionsweise, damit später keine Probleme auftreten.

Ist das legal? Was sagt der TÜV?

Eine Leistungssteigerung durch Chiptuning ist in Deutschland grundsätzlich eintragungspflichtig. Diese Eintragung ist nur dann problemlos möglich, wenn der Chiptuner für das jeweilige Fahrzeugmodell ein so genanntes TÜV-Teilegutachten zur Verfügung stellt.

Das Betreiben einer Leistungssteigerung ohne Änderungsabnahme hat den Verlust der Betriebserlaubnis und damit den Verlust des Versicherungsschutzes zur Folge!

Wie ist die genaue Vorgehensweise?
Wenn ein TÜV-Teilegutachten vorliegt ist der Vorgang sehr einfach: Man fährt mit dem Gutachten und dem Fahrzeug zu einer Prüfstelle. Das kann zum Beispiel der TÜV, die DEKRA, die KÜS oder ein Sachverständiger sein. Dort wird eine so genannte „Änderungsabnahme“ (Begutachtung nach §19 Abs. 3 StVZO) durchgeführt. Diese Begutachtung beschränkt sich auf die Kontrolle, ob es sich um das zum Gutachten passende Gerät handelt und ob es richtig verbaut wurde. Dies wird dann durch das Ausstellen eines Änderungsnachweises schriftlich bestätigt.

Mit diesem Nachweis wird die Änderung, bei der örtlichen Zulassungsstelle, in die Zulassungsbescheinigung-Teil1 (ehem. Fahrzeugschein) eingetragen. Nur so wird das Tuning völlig legal betrieben.

Die Kosten für eine Änderungsabnahme bei den oben genannten Prüfstellen liegen zwischen ca. 35,- bis 45,-€.

Gibt es Alternativen?
Wenn kein TÜV-Teilegutachten vorliegt, sieht das Gesetz die Möglichkeit einer s.g. Einzelfallbegutachtung -auch „Einzelabnahme“ genannt- nach §21 StVZo vor. In diesem Falle müssen alle Prüfungen und Untersuchungen wie Bremsen- u. Geschwindigkeitstests, Emissionswertemessungen usw. durchgeführt werden.

Da die anfallenden Kosten den Preis des Tunings i.d. R. deutlich übersteigen, ist dies allerdings nur eine theoretische Möglichkeit. Zumal nicht sichergestellt ist, dass der Eingriff auch abschließend wirklich genehmigt wird.

Unser Tipp:
Achten Sie darauf, dass Sie ein modellspezifisches TÜV-Teilegutachten erhalten. Nur damit sind Sie auf der sicheren Seite.

Ist eine Verbrauchsersparnis wirklich möglich?

Tatsächlich haben kennfeld-optimierte Motoren einen höheren Wirkungsgrad als Serienmotoren und somit auch einen geringeren spezifischen Kraftstoffverbrauch.

Ob eine Verbrauchsersparnis möglich ist, hängt aber auch nach dem Tuning von Faktoren ab, die sich von Fahrer zu Fahrer unterscheiden. Dazu gehören die individuelle Fahrweise und die Charakteristik der überwiegend gefahrenen Strecken.

Das hauptsächliche Einsparpotential ergibt sich auf Basis der Drehmomenterhöhung. Die zusätzliche Kraft, die schon im unteren Drehzahlband zur Verfügung steht, führt bei den meisten Fahrern ganz automatisch zu einer angepassten Fahrweise. Schaltpunkte werden früher gesetzt und -mit jeder Kurbelwellenumdrehung weniger- Kraftstoff gespart. Ein Effekt der auch bei Fahrzeugen mit Automatikgetriebe funktioniert, sofern dies beim Tuning berücksichtigt wird.

Wie viel lässt sich tatsächlich sparen?
Absolute Angaben wie „Sie sparen X-Liter auf 100km“ können aus oben genannten Gründen nicht gemacht werden und sind daher als unseriös zu betrachten. Tatsächlich reicht die Bandbreite von geringer Verbrauchserhöhung (bei einer sehr sportlichen Fahrweise) bis zu 20% Ersparnis bei einer ökonomischen Fahrweise oder viel Stadtverkehr.

Was versteht man unter „ECO-Tuning“?
Bei einem reinen ECO-Tuning werden vorwiegend nur die Drehzahlbereiche optimiert, in denen eine Verbrauchsersparnis möglich ist. Dies führt zu vergleichsweise geringeren Steigerungen bei den Leistungswerten (kW/PS), da diese Werte im hohen Drehzahlbereich erreicht- und gemessen werden.

Diese Variante sollte nur gewählt werden, wenn ausschließlich auf Verbrauchsersparnis Wert gelegt wird. Denn mit einer normalen Optimierung, lässt sich -bei angepasster Fahrweise- die gleiche Ersparnis erzielen. Es wird Ihnen aber nicht die Freiheit genommen, im Bedarfsfalle auch in allen anderen Bereichen die volle Mehrleistung zu nutzen. Dann kommt auch nicht der Spaßfaktor zu Kurz – zum Beispiel wenn es darum geht, die Höchstgeschwindigkeit schneller zu erreichen.

Unser Tipp:
Es gibt Anbieter, deren Zusatz-Steuergeräte eine auswählbare ECO-Abstimmung beinhalten. So kann man selber ausprobieren und muss sich nicht vorher festlegen.

Was sagt die KFZ-Versicherung dazu?

Das Tuning muss Ihrer Haftpflichtversicherung mitgeteilt werden. Da die Typklasseneinstufung allerdings nicht Leistungsabhängig ist, erfolgt keine Änderung der Einstufung und die Prämie bleibt bei den meisten Versicherern unverändert.

Im Kaskobereich kann es eventuell zu einer geringen Anpassung kommen. Bei diesen Versicherungsgesellschaften wird mit dem Begriff „Wertsteigerung“ argumentiert.

Unser Tipp:
Die Regelung bei den verschiedenen Versicherern ist leider nicht einheitlich, daher sollten Sie sich vorher bei Ihrer Versicherung erkundigen.

Erlischt die Gewährleistung des Herstellers?

Häufig argumentieren Fahrzeughersteller und/oder Vertragshändler mit einem Ausschluss der Gewährleistung bei Verbau von freiem Zubehör, wie z.B. Leistungselektroniken. Diese pauschale Aussage ist falsch. Ein genereller Ausschluss der Gewährleistungsrechte ist rechtlich nicht zulässig!
 
Auswirkungen auf die Gewährleistung bestehen darin, dass in einem Gewährleistungsfall die Nachweispflicht besteht, dass der Schaden nicht auf das genutzte Zubehör zurückzuführen ist. Dabei muss natürlich ein kausaler Zusammenhang zwischen dem Defekt und dem Zubehörteil bestehen. Das heißt, es kann kein Gewährleistungsanspruch z.B. für einen defekten Fensterheber abgelehnt werden, weil eine Leistungselektronik verbaut wurde.

Unser Tipp:
Einige Chiptuner bieten selber Fahrzeuggarantien an, die als zusätzliche Absicherung dienen. Es gibt Angebote bei denen eine solche Garantie bereits beinhaltet ist – andere müssen zusätzlich bezahlt werden.

Wie Sicher ist eine Leistungssteigerung und leidet die Lebensdauer?

Eine höhere Leistung bedeutet natürlich auch eine größere Beanspruchung des Motors und der Antriebsstrang-Komponenten. Ein gut gemachtes Tuning zeichnet sich daher nicht dadurch aus, dass es das technisch machbare Maximum anstrebt, sondern sich im Bereich der gegebenen Toleranzen bewegt.

Warum macht der Hersteller dies nicht gleich so?
Zunächst einmal ist für den Hersteller Standfestigkeit wichtig, zumal das Fahrzeug -je nach Exportland- auch mit unterschiedlichsten klimatischen Bedingungen und zum Teil deutlich schlechteren Kraftstoffqualitäten auskommen muss.

Bei einigen bekannten Premium-Herstellern ist es auch gängige Modellpolitik gleiche Motoren mit unterschiedlichen Leistungsstufen und dann abweichenden Bezeichnungen anzubieten. Deutlich wird dies auch, wenn im Rahmen der üblichen Modellpflege häufig leistungsstärkere Modellversionen auf den Markt gebracht, die den gleichen Grundmotor und auch die gleichen Antriebsstrang-Komponenten nutzen, wie ihre Vorgänger.

Unser Tipp:
Vergleichen Sie die Angebote verschiedener Tuner nicht ausschließlich nach der Höhe der Leistungssteigerung und dem Preis, sondern achten Sie auf ein stimmiges Gesamtpaket. Ein TÜV-Teilegutachten bescheinigt, dass alle Fahrzeugkomponenten wie z.B. das Fahrwerk und die Bremsen die Mehrleistung problemlos vertragen.

Lohnt sich Chiptuning bei allen Fahrzeugen?

Während bei nahezu allen Diesel-Motoren mit elektronischer Einspritzung (CommonRail, Pumpe-Düse o. Verteiler-Pumpe) eine adäquate Leistungsoptimierung möglich ist, gilt dies für Benziner nur bedingt.

Interessant ist das Chiptuning bei einem Benziner dann, wenn der Tuner zur Gemischoptimierung Einfluss auf den Parameter „Luft“ hat, so wie es bei aufgeladenen Motoren der Fall ist – also sofern ein Kompressor oder Turbolader im Einsatz ist. Bei einem herkömmlichen Einspritzer hingegen, lassen die technischen Möglichkeiten eines Chiptunings lediglich sehr geringe Leistungssteigerungen zu, die sich in Bezug auf mehr Dynamik oder auch Verbrauchsoptimierung in der Regel nicht lohnen.

Unser Tipp:
Seien Sie skeptisch bei Angeboten, die für herkömmliche Benziner eine Leistungssteigerung von 10% oder mehr versprechen. Auch eine deutliche Verbrauchsersparnis kann bei diesen Motoren in der Regel nicht erreicht werden. Fragen Sie nach, ob die versprochene Leistungssteigerung auf einem Prüfstand nachgewiesen werden kann.